Ruedi Abbühl

Ruedi Abbühl, 1964 in Bern geboren, studierte in Basel Zoologie und Chemie und schloss mit der Promotion ab. Seine Leidenschaft für Reisen und seine Liebe zu wilden Tieren verbindet er mit seinem Beruf als Maître de Cabine bei SWISS. Mit Film und Fotokamera produziert Ruedi eindrückliche Tierdokumentationen und stimmungsvolle Videos für SWISS, PolarNews und Oceanwide-Expeditions. Im Zentrum des Handelns steht die polare Tierwelt und die grandiose Polarlandschaft.
Für PolarNews begleitet Ruedi seit 2007 Reisen in diese entfernten Regionen. Eine hauptsächlich auf der Südhalbkugel beheimatete Tierart hat es ihm besonders angetan, nämlich der Albatros.

Born in Bern in 1964, Ruedi Abbühl studied zoology and chemistry in Basel and completed with a PhD degree. He combines his passion for travel and his love of wild animals with his career as a SWISS maître de cabine. Ruedi produces impressive wildlife documentaries and videos for SWISS, PolarNews and Oceanwide Expeditions with his film camera. In the center of the action are the polar wildlife and the magnificent polar landscape.
Since 2007, Ruedi accompanies expeditions to those distant regions for Polar News.
One species, mainly native to the southern hemisphere has particularly impressed him, it is the albatross.



Migros Magazin

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Fliegen, filmen und der Natur ganz nah

Ruedi Abbühl ist Maître de Cabine der Swiss, aber auch Natur- und Tierfilmer. Die meisten Passagiere haben seine bewegten und bewegenden Bilder schon an Bord gesehen – Sie nicht? Hier finden Sie die Youtube-Version in voller Länge.

Vor mächtigen Eisbergen rutschen Kaiserpinguine bäuchlings vorwärts, als ob sie Schlitten fahren würden. Baby-Pinguine schmiegen sich an den Körper ihrer Mutter, um die antarktische Kälte auszuhalten. Falken gleiten mit ihren Schwingen durch die arabische Abendsonne, Meeresschildkröten kämpfen sich nach der Eiablage durch den Sand zum Meer: Solch faszinierende Tieraufnahmen aus einer scheinbar intakten Welt strahlt die Fluggesellschaft Swiss seit zehn Jahren in ihren Flugzeugen aus, während die Passagiere einsteigen.

Die Filme produziert Ruedi Abbühl (49), Maître de Cabine bei der Swiss. Er hatte schon immer grossen Respekt vor der Natur. «Es interessiert mich, den Charakter eines Tieres herauszuarbeiten. Das Filmen hat für mich eine zusätzliche Dimension. Wie sich Tiere in der freien Wildbahn verhalten und bewegen, lässt sich damit am besten darstellen.»

Seine zweite grosse Leidenschaft ist die Fliegerei. Ihn, der in Rubigen BE aufwuchs, habe schon früh interessiert, wie es hinter dem Gurten aussieht. Am Mittelmeer habe er sich dann gewundert, wie sich wohl Afrika präsentiert. «Ich hatte stets den Drang, die Welt zu entdecken», erklärt der Berner.

Als er an der Universität Basel Zoologie studierte, habe er es genossen, in zwei Welten zu leben. An den Wochenenden arbeitete er nämlich schon für die damalige Swissair als Flugbegleiter. «Dies ermöglichte mir, bedeutende Museen, zoologische Sammlungen und Nationalpärke wie den Krueger, die Iguazú-Wasserfälle, die Serengeti, die Kimberleys in Australien oder das US-amerikanische Monument Valley zu besuchen.» Er dissertierte zum Thema «Ökologie der Gelbbauchunke» und fotografierte für seine Doktorarbeit die Bäuche der kleinen schwarz-gelben und typisch schweizerischen Frösche. Sein Studium schloss er mit der Bestnote summa cum laude ab.

Heute wohnt Maître de Cabine Ruedi Abbühl nur noch rund 100 Tage pro Jahr in der Schweiz. Die restliche Zeit fliegt er in einem 80-Prozent-Pensum oder folgt Tieren, zusammen mit seiner Frau Priska (48), die ebenfalls für Swiss arbeitet und sich um First-Class-Passagiere kümmert.

Im Mai 2012 war das Paar im US-Bundesstaat Oregon und beobachtete den Tanz der Renntaucher. «Ich fiel fast um, als ich die Vögel das erste Mal gesehen habe. Wenn ich ein Thema wähle, bin ich wie besessen und arbeite während der Verarbeitung der Aufnahmen Tag und Nacht», sagt Abbühl. «Mit Betonung auf Nacht», merkt seine Frau an.
Sein Erfolgsrezept: Ehefrau Priska, Zeit und Geduld

Das Ehepaar ergänzt sich perfekt: Der fliegende Filmer, der über ein Archiv von 500 Filmstunden verfügt, weiss alles über die Biologie der Tiere. Seine Frau recherchiert die Orte, wo die Tiere leben, organisiert die Reise und die Übernachtungen. «Ich kann nur im Team filmen, denn mein Blick ist durch das Filmen quasi eingeschränkt. Priska aber hat die aussergewöhnliche Gabe, interessante Schauplätze aufzuspüren. Es macht ihr nichts aus, stundenlang an einem Ort auszuharren. Nur dank ihr kann ich spektakuläre Aufnahmen realisieren.» Es hat schon mal zwei Tage gebraucht, bis das perfekte Bild im Kasten war. «Mein Erfolgsrezept ist Zeit und Geduld», sagt Ruedi Abbühl.

Sein eindrücklichstes Tiererlebnis bescherte ihm das Meer vor der antarktischen Halbinsel. «Ich stand am Heck und plötzlich tauchte vor mir ein Buckelwal auf und streckte seinen Kopf aus dem Wasser. Sein grosses Auge schaute mich mehrere Sekunden lang an. Es war eine Art wortlose Kommunikation mit einem sensiblen, intelligenten Lebewesen.»

Schon zwölf Mal hat Abbühl die Antarktis bereist. Sein Lieblingstier lebt zum Teil auch dort: «Der Albatros braucht mehrere Jahre, um die künftige Partnerin mit seinem Balzritual zu beeindrucken. Er ist ein wahrer Meistersegler und hat einen eleganten, dynamischen Segelflug.» Der Albatros sei zudem treu und werde ähnlich alt wie wir Menschen.

Abbühl hat eine Vielzahl weiterer Interessen: Mehr als 200 Mal tauchte er in den Ozean ab, er arbeitet als Lektor für die Zeitschrift «PolarNews» und begleitet Touristen in polare Regionen. Ab und zu springt er auch als Führer im Sauriermuseum Aathal ZH ein. In seinem Wohnzimmer hat er eine Sammlung von Dinosaurierwirbeln und -eiern. Doch damit nicht genug: Er dreht zudem für den Zoo Zürich kurze Dokumentarfilme über die Naturschutzprojekte, die der Zoo auf Madagaskar, in Thailand, auf den Falklandinseln, in Kenia und auf Sumatra unterstützt.

Die vielen Aktivitäten haben allerdings auch einen Nachteil: «Wegen der Arbeitszeiten ist es nicht einfach, Freundschaften zu pflegen. Unser kleiner, feiner Freundeskreis kennt unseren Lebensstil und weiss, dass spontane Treffen am besten klappen.»
Nächster Stopp: Südafrika bei den Meeresschildkröten

Die Leidenschaft der Doppelverdiener geht ins Geld. Vor zwei Jahren ist Ruedi Abbühl auf den Galapagosinseln eine teure Filmkamera auf den Boden gefallen. Er musste eine neue kaufen. Hohe Kosten verursachen ebenfalls die Reisen zu den teils exklusiven Destinationen. «Ich mache die Filme nicht des Geldes wegen», sagt der 49-Jährige. Vielmehr finanzieren sie die Reisen zu den Drehorten aus der eigenen Tasche. Ihre Mietwohnung befindet sich praktischerweise in Winkel, nahe des Flughafens Kloten. Priska Abbühl fragt: «Was ist mir am Ende des Lebens mehr wert: all die Erinnerungen an unsere Reisen oder die Backsteine einer Eigentumswohnung?» Die Antwort: Im November reist das Paar zu einem neuen Expeditionsabenteuer mit Meeresschildkröten an die Ostküste Südafrikas.



Interview

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Wenn Pingus an die Schuhbändel wollen

Ruedi Abbühl erhielt seinen Doktorhut in Zoologie. Hauptberuflich ist er als Maître de Cabine und nebenbei als Tierfilmer und Expeditionsleiter unterwegs.

Jörg Röthlisberger

Wie kommt es, dass du, Ruedi Abbühl, beruflich auf so vielen Hochzeiten tanzest?

Es sind die Neugier und der Spass an Verschiedenem. Schon als Student flog ich als Seasonal-F/A in der Welt umher und hatte sowohl Freude am Fliegen als auch am Studieren. Auch meine Leidenschaft fürs Filmen und Fotografieren konnte ich stets mit anderem verbinden.

Wie lässt sich das zeitlich alles unter einen Hut bringen?

Bei Swiss habe ich einen 80-%-Vertrag. So bleiben mir, zähle ich die Ferien dazu, drei Monate für Filmprojekte und Expeditionen. Doch auch auf Flugrotationen kann ich filmen und für meine Projekte Material sammeln. Kann ich wegen der Zeitverschiebung nicht schlafen, nutze ich die Zeit, um am Computer meine Filme zu schneiden.

Gibt es da noch ein Privatleben?

Oh ja! Ich bin mit Priska, einer F/C-Galley- Flight-Attendant, verheiratet. Sie teilt meine Interessen und unterstützt mich in allem. Wir sind ein sehr gutes Team und ergänzen uns ideal. Sie ist die Fotografin, ich der Filmer. Beim Filmen hat sie oft mehr Geduld als ich.

Du hast Biologie studiert und bist Zoologe geworden. Was bedeuten Tiere für dich?

Schon als kleiner Knabe war ich Feuer und Flamme für Frösche, Kaulquappen oder Kröten. Die Begeisterung für Natur und Tiere wurde immer grösser. Als ich schwerfällige, 15 Kilo schwere Pelikane filmte, konnte ich mich in diese Vögel richtig einfühlen und wurde selber fast zum Pelikan. Da spürte ich weder Nässe noch Kälte und vergass Zeit und Ort.

Hast du spezielle Vorlieben: Elefanten, Meerschweinchen oder andere Spezies?

Ich finde fast alle Tiere hochinteressant. Sogar diese Fliege, die mich jetzt gerade belästigt. Es ist ein Wunder, wie blitzschnell diese reagieren kann, wenn ich versuche, sie zu erhaschen. Wegen meiner Expeditionsreisen in die Arktis und Antarktis befasse ich mich heute ganz besonders mit der polaren Tierwelt, mit Walen, Robben, Pinguinen oder Eisbären. Doch ich realisiere auch sehr gerne Filme über Vögel. Das zeigen meine Filme über Albatrosse, Pelikane und die auf dem Wasser synchron tanzenden Rentaucher.

Wie war es in der Antarktis?

Total faszinierend, denn die Tiere in der unberührten polaren Welt haben noch ein Urvertrauen und eine grosse Zutraulichkeit zu uns Menschen. Beim Filmen kamen neugierige Pinguine näher und näher, ja, sie versuchten sogar, meine Schuhbändel zu lösen. Das sind wahre Momente des Glücks für mich. Es ist unglaublich beeindruckend, wie dort die Tiere in der extremen Klimazone mit Temperaturen von minus 60 Grad Celsius überhaupt überleben können.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du Tiere siehst, die in ihrem Lebensraum gefährdet sind?

Bei den Eisbären sah ich die dramatischen Auswirkungen sehr deutlich. Mich macht das traurig und zehrt innerlich an meiner Substanz.

Seit Darwin wissen wir, dass sich die tüchtigsten Lebewesen an verändernde Verhältnisse anzupassen wissen. Stimmt das heute noch?

Ja, es gibt immer Gewinner und Verlierer. So werden Eisbären wahrscheinlich einmal mit braunem Pelz auf dem Land weiterexistieren. Für solche Mutationen braucht es aber weltweit grössere Schutzzonen mit einer grossen genetischen Vielfalt.

Tiere beobachten ist das eine, sie zu filmen das andere. Wie hast du das gelernt?

Ich fotografierte schon als kleiner Bub, und mein Vater gab mir die ersten wertvollen Tipps. Ganz unbescheiden glaube ich, das richtige Auge dafür zu haben. Das Technische konnte ich mir als Autodidakt selber aneignen, und vom Profi-Filmer Michael Magee lernte ich das Bearbeiten und Schneiden von Filmen. Heute gelingt es mir, Tiere bei meinen Aufnahmen schnell genug mit der Kamera einzufangen, weil ich als Zoologe ihre Bewegungen vorausahnen kann.

Für wen produzierst du diese Filme?

Für Swiss International Airlines, für PolarNews, Oceanwide Expeditions und für den Zürcher Zoo.

Alles tönt so positiv. Gab’s nicht auch Misserfolge?

Natürlich gelingt nicht immer alles. Doch ich versuche, das Beste daraus zu machen und benutze das Material später für anderes. Bleibe ich offen und flexibel, kann ich oft ganz andere, ebenso interessante und überraschende Szenen filmen.

Blick nach vorn: Wie geht es weiter?

Ich bleibe weiterhin als M/C tätig, denn das Fliegen macht mir nach wie vor viel Freude. Vor allem die Möglichkeit, interessanten Persönlichkeiten zu begegnen und mit diesen zwanglos ins Gespräch zu kommen, ist einmalig. Als Pensionierter werde ich wohl noch mehr Zeit für Vorträge über meine Erfahrungen mit Tieren haben und meine besten Filme zeigen können. Auch werde ich mich mit meiner Frau, vielleicht von den Falklandinseln aus, aktiv für den Schutz der Meere und der bedrohten Tiere einsetzen. Es ist mein grosser Wunsch, dass sich auch nachfolgende Generationen an Tieren und einer intakten Natur freuen können.









Curriculum vitae

Akademische Abschlüsse und Ausbildung:

1997 Dr. phil. nat. Promotion in Zoologie (summa cum laude). Dissertation zum Thema „Ökologie der Gelbbauchunke (Populationsdynamik, Habitats- und Verhaltensstudien als Grundlagen zum Schutz)“

1984 Eidgenössische Matura (Typus E)

1985 – 1991 Studium an der Universität Basel: Biologie I
Schwerpunkte:
- Biologie der Wirbeltiere
- Medizinische Biologie
- Pflanzenphysiologie
- Pflanzensoziologie
Nebenfach: Organische Chemie

April 1991 Diplom in Biologie I (Durchschnittsnote: 5,6)
"Untersuchungen zur Bestandessituation und Habitatpräferenzen der Gelbbauchunke (Bombina variegata variegata L.) in der Region von Basel." Leitung: Prof. Dr. Heinz Durrer

1991 – 1992 Assistent an der Uni Basel (Medizinische Biologie) und Leiter der Forschungsstation RANA in der "Petite Camargue Alsacienne"
Ausarbeitung:
- "Ideenkonzept eines vernetzten Ökosystems mit größtmöglicher Artendiversität und überlebensfähigen Metapopulationen"
- "Vernetzungskonzept in den Langen Erlen"

Im Laufe des Studiums besuchte Vorlesungen, Seminare und Kurse bei folgenden Dozenten: W. Arber, C. Baroni Urbani, B. Bruderer, T. Boller, R. Brun, P. Duelli, H. Durrer, S. Fallab, W. Flückiger, T.A. Freyvogel, W. Gehring, R. Guggenheim, D. Haag-Wackernagel, H. Hecker, S. Jacomet, L. Jenni, G.-R. Plattner, U. Rahm, H. Rowell, H. Rudin, B. Schmid, C. Tamm, M. Tanner, V. Schmid, F.H. Schweingruber, D.G. Senn, H. Sigel, U. Sequin, S.C. Stearns, J. Stöcklin, C. Weber, N. Weiss, A. Wiemken, H. Zoller.

Berufliche Abschlüsse und Ausbildung:

-
1995 Maître de Cabine bei Swissair (zweijährige Ausbildung u. a. in den Bereichen Führung und Instruktion)
-1986 – 1992 Seasonal Flight Attendant
-1992 Flight Attendant
-1994 Eidg. dipl. Flight Attendant (dreijährige Ausbildung und Biga-Prüfung)
-1999 Berufsprüfungsexperte für das Fach Geographie
-2003 Fachgruppenleiter für das Fach Geographie
-2013 Teilnahme an der Halbumrundung der Antarktis im Expeditionsteam auf der Ortelius
Nebenberufliche Tätigkeiten:

-
Naturfilm & Fotografie
-2000 Mitarbeit am Naturschutzzentrum Neeracherried
-2000 Reiseleiter bei Aktivferien AG Hansruedi Büchi in Seuzach (Ngorongoro, Tarangire, Kilimanjaro)
-2001, 2003 Reiseleiter (Ecuador, Galapagos)
-ab 2002 Paläontologische Führungen im Sauriermuseum in Aathal
-ab 2002 Freelance-Kameramann bei Michael Magee Productions (Natur und Tierfilme auf allen fünf Kontinenten). www.magee.ch
-ab 2005 Filmporduktion für Swiss International Airlines „The World of SWISS“ (I-VIII), Dokumentarfilme "Albatrosse Meisterflieger auf hoher See", "Der Landgang des Felsenpinguins", "Masterpieces" für das Sauriermuseum in Aathal, Lehrfilm für Kapers, Film über die Masoala Halle im Zoo Zürch . etc.
-ab 2008 Reiseleitung und Lektor für PolarNews in Arktische und Antarktische Gebiete (Spitzbergen, Grönland, Chukotka, Franz Josef Land, Falkland, Südgeorigen, Antarktische Halbinsel, Snow Hill "Kaiserpinguine", Nunavut, Maquarie Island)

Sprachen: Deutsch, Französisch, Englisch

Fundierte PC-Kenntnisse

Hobbys:
Sammeln von Fossilien, Besuch von Naturhistorischen Museen sowie bedeutenden Nationalparks in der ganzen Welt, Pflege von Reptilien, Tierfotografie, Tiervideos, Tauchen.




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